Das Kroatische Tamburizzaorchester

Die Russen haben Balalaiken, die Griechen Busukis, die Italiäner Mandolinen, und die Kroaten haben Tamburizza. Der Legende nach hat schon im 6. Jahrhundert Kaiser Maurikios drei Kroaten statt mit Waffen mit Tamburizzen in den Händen gefangen. Man muss doch erwähnen, dass ein tamburizzaähnliches Instrument schon im 3. Jahrhundert in der alten Kultur von Mesopotamien bekannt wurde, und über ihre Vorläufer sprechen sogar einige Belege aus dem alten Ägypten.
Doch kam die Tamburizza, die die meisten Ähnlichkeiten mit der heutigen Variante dieses Saiteninstrumentes aufweist, auf die Gebiete von Südosteuropa während der türkischen Eroberungen Balkans, im 14. und 15. Jahrhundert. Die Experten sind der Meinung, dass sie nach Slawonien und in die anderen Teile Kroatiens während der Umsiedlung von Kroaten aus Bosnien, d.h. während ihrer Flucht vor den türkischen Eroberern übertragen wurde.
Am Anfang spielte man Tamburizza als ein Soloinstrument. So war es bis zum Jahre 1847, als Pajo Kolarić in Osijek die erste Tamburizzagesellschaft gründete.

Im Jahre 2006 versammelte Šokadija-Zagreb, die Gesellschaft für Förderung der kroatischen Kulturgüter und Kulturerbe, das erste Orchester mit mehr als 100 Tamburizzaspieler, das ein abendfüllendes Konzert gehalten hat. Seit diesem Ereignis bereitet dieses Orchester jährliche Konzerte unter dem Namen Šokačka rapsodija in der Konzerthalle Vatroslav Lisinski in Zagreb vor.
Laut den Expertenschätzungen gibt es in Kroatien in kleinen und großen Orchestern, in Folkloregesellschaften, Musikgrundschulen und -mittelschulen, unter den Amateuren und professionellen Spielern ungefähr 30.000 Tamburizzaspieler.
Die Mitglieder dieses Orchesters kommen aus 20 Städten und Dörfern in Kroatien. Die meisten von ihnen spielen Tamburizza als Amateure; alle sind aber musikalisch gebildet und viele von ihnen haben sogar die Musikakademie abgeschlossen, und in das Orchester wurden sie erst nach strengen Probespielen aufgenommen.
Man muss dazu noch hervorheben, dass sie Tamburizza im vierstimmigen E-Quartensystem spielen. Eine weitere Besonderheit des Orchesters ist, dass die vokalen Teile ausschließlich von den Orchestermitgliedern vorgeführt werden - von den Tamburizzaspielern und den Dirigenten selbst.
Neben der Traditionsmusik stehen auf dem Repertoire des Orchesters auch neuere Kompositionen für Tamburizza, die Werke kroatischer und internationaler Autoren, ursprünglich geschrieben für ein Tamburizzaorchester, aber auch Transkriptionen.
Im Jahre 2009 haben wir im Wiener Konzerthaus unseren ersten internationalen Auftritt gehabt. Seit dem halten wir unsere Konzerte unter dem Namen Die Kroatische Tamburizzarhapsodie. Seit 2010 spielt das Orchester "100 Tamburizzaspieler" mir Unterstützung des kroatischen Kultusministeriums und unter dem Namen Das Kroatische Tamburizzaorchester.